Person & Hintergrund
1. Johann, stell dich kurz vor: Was ist Versuro, und wie bist du zum Makler geworden?
Antwort: Johann Gräbner, 31 Jahre jung, stolzer Papa einer ein Jahre alten Tochter und seit ca. 10 Jahren in der Versicherungsbranche. Klassisch gestartet im Strukturvertrieb bei ErgoPro, danach eine Ausbildung bei der AXA gemacht und mit einem kurzen Zwischenstopp bei der Barmenia dann glücklicherweise Makler geworden. Meine Selbstständigkeit begann in 2020 und wie wir alle wissen war in dieser Zeit Corona Hochzeit. Da ich keinen Kunden besuchen durfte, habe ich von Tag 1 vollständig digitalisiert und mich damit beschäftigt, wie ich meinen Makleralltag digital und automatisiert bestreiten kann.
Bei Versruo leite und verantworte ich den gesamten Technik- und Datenbereich. Mein Aufgabenfeld erstreckt sich über kleine Prozessoptimierungen und Datenimporte bis hin zur Implementierung gesamter Workflows & Prozesse inklusiver KI Agenten und Portfolioübertragungen mit zehntausenden Verträgen.
Versuro ist eine Maklergemeinschaft. Wir sind auf den Markt getreten, um für mehr transparenz, fairness und chancengleichheit zu sorgen. Von Maklern, für Makler.
Kein Makler wird bei uns wie „ein weiterer“ oder wie eine Zahl behandelt.
2. Du arbeitest sehr eng mit blau direkt zusammen. Was hat dich damals bewogen, diesen Weg zu gehen — und was bringt dir diese Partnerschaft konkret im Alltag?
Zudem hat blau eine sehr offene API Schnittstelle und ermöglichen uns, alles zu bauen, was wir wollen und das ist ein riesen Pluspunkt für uns.
Wir erhalten den Support, den wir als Maklergemeinschaft benötigen und können so für jeden unserer Makler einen riesen Mehrwert schaffen.
Automatisierung & Tools
3. Du hast bei blau direkt einige Automationen aufgebaut. Kannst du uns ein konkretes Beispiel nennen — welchen Prozess hast du automatisiert, und was hat das verändert?
Wir haben ein Sonderkonzept, dass aber auf eine Unternummer geschrieben wurde. Technisch konnte es der Versicherer nicht anders lösen, also haben wir alles auf eine Unternummer bei blau laufen lassen.
Mit Make und der Ameise API haben wir eine Automation gebaut, die 90% von dem allen übernimmt.
Wir bekommen unglaublich viel Post jeglicher Art.
Ist es ein Kundendokument, sucht die KI anhand der Kundendaten und Versicherungsnummer den Kunden in der Ameise und legt es beim Kunden ab.
4. Make.com ist für viele Makler noch ein Fremdwort. Wie bist du zu diesem Tool gekommen, und was kann man damit im Versicherungsumfeld tatsächlich sinnvoll machen?
Antwort: Das ist etwas verwaschen, aber ich glaube, der Anstoß war blau direkt bzw. Qonekto. Die haben es für die einfache Autmaotisierung der Ameise mit in den Pool geworfen und ich fand es von Anfang an überragend.
Das ist Make – du kannst „programmieren“ ohne programmieren zu können. Du klickst einfach bunte und hübsche bubbles zusammen und baust damit Automationen.
Klar, ein wenig sollte man schon verstehen, was ein GET oder PUSH request ist oder wie man Datenfelder mappt. Aber das ist schnell angeignet.
Aktuell laufen bei uns 37 Automationen über Make (ca. 30 sind aktuell im Aufbau).
5. Wo setzt du KI ein — und wo bewusst nicht? Was funktioniert, was ist noch heiße Luft?
„Leider“ ist die KI Bubble so penetrant geworden, dass gefühlt überall KI genutzt werden MUSS. Wenn ich aber etwas mit einem simplen Algorithmus, einem Cron-Job oder einem unkomplizierten Workflow abbilden kann, dann brauch ich keine KI dafür. Die muss ich erstmal „anlernen“, die muss verstehen was ich will und ich muss verstehen, was sie alles falsch macht, bevor ich das richtige Ergebnis bekomme.
Kunden- und Vertragsanlage inkl. anschließendem Versand des Signaturlinks für die Maklervollmacht hast du beiläufig in dein Handy gesprochen, die KI arbeitet es für dich ab. Auch eine schnelle Zusammenfassung der Kundenhistorie kurz vorm Termin bekommst du in wenigen Sekunden.
Alles Dinge, die KI heutzutage mit keine Aufwand für dich erledigen kann.
Selbst suchen und tippen fühlt sich mittlerweile wie Steinzeit an.
6. Was war dein bisher größter „Das hätte ich früher wissen wollen“-Moment beim Thema Automatisierung?
In unserem Alltag nehmen wir uns aber ungerne die Zeit dafür, obwohl es nicht nur Zeit sparen würde, sondern auch mehr Umsatz bringt, Kunden und Mitarbeiter glücklicher macht und mir als Makler mehr Zeit für Dinge gibt, die ich auch wirklich machen möchte.
Praxis & Grenzen
7. Solche Systeme zu bauen kostet Zeit und Nerven. Was hat nicht funktioniert — welcher Workflow ist in die Tonne geflogen?
Irgendwann hat man den dreh raus, wie einzelne Workflows auszusehen haben, dann klappt es auch in einem Rutsch.
Für unser Leadprogramm haben wir verschiedenste Google-Sheets angelegt, mit einem „Master-Controlling-Sheet“, dass über Make synchronisiert und ausgewertet wurde.
Katstrophe… ständig wurde eine Formel in Sheets rausgelöscht, Zeilen wurden überschrieben, Auswertungen waren durcheinander. Der Papierkorb Button tat weh, war aber notwendig.
8. Braucht man für das, was du machst, einen technischen Hintergrund — oder können das auch Makler ohne IT-Affinität lernen?
Mir wird ganz häufig die Frage gestellt „was kann man denn so alles mit KI, Make und der Ameise bauen?“. Meine Antwort darauf ist immer dieselbe „denk dir was aus und es wird vermutlich klappen“.
Ausblick & Appell
9. Was würdest du einem Maklerkollegen raten, der jetzt mit Automatisierung anfangen will — wo startet man, ohne sich zu verrennen?
Sammel deine Überlegungen, Skizzen und Ideen und gebe sie einer KI. Frag sie einfach stumpf, wie sie das ganze automatisieren würde, damit es möglichst effizient und fehlerfrei funktioniert.
10. Wo siehst du Versuro und deinen Ansatz in drei Jahren — und wo stößt du heute noch an Grenzen, die die Branche lösen müsste?
Dies werden wir an jeden unserer Makler weitergeben und jeder der Lust hat, kann es in seinem ermessen nutzen.
- Zeit in zweierlei Hinsicht: Meine Zeit, die nicht ausreichend vorhanden ist, um alle Projekte gleichzeitig voranzutreiben und. die Zeit der Versicherer. Versicherer hängen unglaublich hinterher. Ich kann nachvollziehen, dass Versicherer gigantische Schiffe sind, die nicht schnell handeln können, aber gefühlt sind es Berge geworden, die sich noch kaum bewegen.
- Oben schon angekratzt – Versicherer: GDV und BiPro – Bipro ist 20 Jahre alt. Ein „Standard“ der Branche. Bis heute gibt es zahlreiche Versicherer, die diesen Standard noch immer nicht können oder nur mit einem halben Arsch. Nach 20 Jahren.
GDV lass ich an der Stelle mal sein was es ist…
- Nochmal Versicherer: Fragst du einen Versicherer nach einer API Schnittstelle, schauen dich 8 von 10 mit großen Augen an und verstehen dich nicht.
- Datenschutz, Compliance, EU AI Act: Ja, Datenschutz ist wichtig. Ja, auch ich mache mir Gedanken, wie ich unsere Prozesse sicher gestalte und kein Dritter darauf zugreifen kann.
Aber wir werden durch den Haufen an Regulierungen so hart beschnitten und müssen überproportional vorsichtig sein, dass es Wachstum in der Digitalisierung hart bremst.




















