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„Kein Kurs, kein Studium, 37 Automationen“ — Johann Gräbner über KI und Make.com im Makleralltag

Wie ein Makler ohne IT-Hintergrund den Büroalltag auf Autopilot stellt — und was die Branche dabei ausbremst.

Ludwig Meierin by Ludwig Meierin
2. Juli 2026
in Interviews, Software & Hardware, Technologietrends
Reading Time: 8 mins read
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„Kein Kurs, kein Studium, 37 Automationen“ — Johann Gräbner über KI und Make.com im Makleralltag
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Person & Hintergrund

Wer ist Johann, was macht Versuro?

1. Johann, stell dich kurz vor: Was ist Versuro, und wie bist du zum Makler geworden?

Antwort: Johann Gräbner, 31 Jahre jung, stolzer Papa einer ein Jahre alten Tochter und seit ca. 10 Jahren in der Versicherungsbranche. Klassisch gestartet im Strukturvertrieb bei ErgoPro, danach eine Ausbildung bei der AXA gemacht und mit einem kurzen Zwischenstopp bei der Barmenia dann glücklicherweise Makler geworden. Meine Selbstständigkeit begann in 2020 und wie wir alle wissen war in dieser Zeit Corona Hochzeit. Da ich keinen Kunden besuchen durfte, habe ich von Tag 1 vollständig digitalisiert und mich damit beschäftigt, wie ich meinen Makleralltag digital und automatisiert bestreiten kann.
Bei Versruo leite und verantworte ich den gesamten Technik- und Datenbereich. Mein Aufgabenfeld erstreckt sich über kleine Prozessoptimierungen und Datenimporte bis hin zur Implementierung gesamter Workflows & Prozesse inklusiver KI Agenten und Portfolioübertragungen mit zehntausenden Verträgen.

Versuro ist eine Maklergemeinschaft. Wir sind auf den Markt getreten, um für mehr transparenz, fairness und chancengleichheit zu sorgen. Von Maklern, für Makler.
Kein Makler wird bei uns wie „ein weiterer“ oder wie eine Zahl behandelt.

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2. Du arbeitest sehr eng mit blau direkt zusammen. Was hat dich damals bewogen, diesen Weg zu gehen — und was bringt dir diese Partnerschaft konkret im Alltag?

Antwort: Fondsfinanz, Finanzritter, Insurgo, Apella, DEMV, Smart Insurtech – ich hatte alle ausprobiert. Die einzigen, die Prozessual denken und ihre IT auf einem Top Niveau haben, ist blau direkt. Die Jungs und Mädels von blau haben es verstanden, dass es nicht nur wichtig ist, eine schöne Oberfläche zu haben, sondern dass die Datentiefe und fallabschließende, zeitsparende Prozesse den Makleralltag erleichtern können.
Zudem hat blau eine sehr offene API Schnittstelle und ermöglichen uns, alles zu bauen, was wir wollen und das ist ein riesen Pluspunkt für uns. 
Wir müssen uns nicht darauf verlassen, dass der Dienstleister irgendwann mal ein Feature raubringt. Wenn uns was fehlt, können wir es einfach selbst bauen und mit der Ameise verbinden. 
 
Zudem ist blau auch vertrieblich ein starker Partner.
Wir erhalten den Support, den wir als Maklergemeinschaft benötigen und können so für jeden unserer Makler einen riesen Mehrwert schaffen. 

Automatisierung & Tools

Make.com, KI, Workflows — das Herzstück des Interviews.

3. Du hast bei blau direkt einige Automationen aufgebaut. Kannst du uns ein konkretes Beispiel nennen — welchen Prozess hast du automatisiert, und was hat das verändert?

Antwort: 
1.  Das einspielen von Daten und Dokumenten inklusive verteilung an den richtigen Vermittler.
Wir haben ein Sonderkonzept, dass aber auf eine Unternummer geschrieben wurde. Technisch konnte es der Versicherer nicht anders lösen, also haben wir alles auf eine Unternummer bei blau laufen lassen. 
Die eingehenden Dokumente, sowie die Kunden haben wir dann manuell beim Vermittler angelegt. Je Kunde und Vertrag hat das etwa 20 min gedauert. Bei etwa 50-80 Neuverträgen im Monat, kannst du dir ja vorstellen, wie viel Aufwand das war.
Mit Make und der Ameise API haben wir eine Automation gebaut, die 90% von dem allen übernimmt.
 
2. Post, Post, Post… die Versicherer lieben ihr Papier.
Wir bekommen unglaublich viel Post jeglicher Art. 
Bei uns ist ein Scanservice vorgeschaltet, die PDFs werden uns per Mail zugesandt. 
Eine Automation überwacht das Postfach, eine KI liest die PDFs aus und kateogrisiert die Dokumente. Ist es ein Unternehmens-Internes Dokument, wird es in unserer Cloud in die richtigen Ordner sortiert und nach unserem festen Schema benannt. 
Ist es ein Kundendokument, sucht die KI anhand der Kundendaten und Versicherungsnummer den Kunden in der Ameise und legt es beim Kunden ab. 
Zeitersparnis: 3-4 Stunden täglich. 

4. Make.com ist für viele Makler noch ein Fremdwort. Wie bist du zu diesem Tool gekommen, und was kann man damit im Versicherungsumfeld tatsächlich sinnvoll machen?

Antwort: Das ist etwas verwaschen, aber ich glaube, der Anstoß war blau direkt bzw. Qonekto. Die haben es für die einfache Autmaotisierung der Ameise mit in den Pool geworfen und ich fand es von Anfang an überragend.

 

Was man damit alles machen kann? Ich drück es mal einfach aus: Stell dir vor, du kannst absolut geile Kuchen backen, brauchst aber kein Rezept dafür. Du hast einfach ein paar fertigmischungen die du zusammenkippst und der Kuchen wird perfekt.
Das ist Make – du kannst „programmieren“ ohne programmieren zu können. Du klickst einfach bunte und hübsche bubbles zusammen und baust damit Automationen.
Klar, ein wenig sollte man schon verstehen, was ein GET oder PUSH request ist oder wie man Datenfelder mappt. Aber das ist schnell angeignet. 
 
Theoretisch kann man mittlerweile alles mögliche an Automationen und Prozesse mit Make abbilden. Du brauchst nur die Prise „Fantasie“ dafür. 
Das erste was ich automatisiert habe, war der Formulareintrag eines Leads, der automatisch im CRM und in unserem Marketin-Programm eingetragen wurde.
Aktuell laufen bei uns 37 Automationen über Make (ca. 30 sind aktuell im Aufbau).

5. Wo setzt du KI ein — und wo bewusst nicht? Was funktioniert, was ist noch heiße Luft?

Antwort: 
KI wird überall eingesetzt, wo es sinn ergibt.
„Leider“ ist die KI Bubble so penetrant geworden, dass gefühlt überall KI genutzt werden MUSS. Wenn ich aber etwas mit einem simplen Algorithmus, einem Cron-Job oder einem unkomplizierten Workflow abbilden kann, dann brauch ich keine KI dafür. Die muss ich erstmal „anlernen“, die muss verstehen was ich will und ich muss verstehen, was sie alles falsch macht, bevor ich das richtige Ergebnis bekomme. 
Ein aktuelles Beispiel: Wir haben Kundendokumente aus professionel Works exportiert und in die Ameise importiert – was meinst du wie oft ich gehört habe „lass es eine KI machen“. Es hat ein einfaches Skript gebraucht und der Austausch lief reibungslos im hintergrund mit einem simplen Kundendatenabgleich. 
 
KI setz ich vor allem beim programmieren, analysieren, recherchieren, beraten und erstellen von Dokumenten ein. 
Ein Vergleich zwischen zwei Standard-Produkten aus Franke-Bornberg und einem Sonderkonzept? Für Claude kein Problem und innerhalb von 10 Minuten sauber dargestellt. 
Ein kleines CRM, um kostengünstig Leads an Berater zuzuweisen? Für Claude ein Tag Arbeit. 
 
Natürlich ist blau direkt auch mittlerweile ganz vorne mit dabei.
Kunden- und Vertragsanlage inkl. anschließendem Versand des Signaturlinks für die Maklervollmacht hast du beiläufig in dein Handy gesprochen, die KI arbeitet es für dich ab. Auch eine schnelle Zusammenfassung der Kundenhistorie kurz vorm Termin bekommst du in wenigen Sekunden.
Alles Dinge, die KI heutzutage mit keine Aufwand für dich erledigen kann.
Selbst suchen und tippen fühlt sich mittlerweile wie Steinzeit an. 
 
KI ist mittlerweile täglich Brot bei uns. Wir setzen es täglich ein, an den Stellen, wo es Sinn ergibt und uns Arbeit abnimmt. 

6. Was war dein bisher größter „Das hätte ich früher wissen wollen“-Moment beim Thema Automatisierung?

Antwort: Welchen Mehrwert das Thema für das eigene Unternehmen bringt und wie einfach es mittlerweile ist. Hätte ich mich früher viel mehr mit Prozessen beschäftigt, hätte ich jetzt sicherlich einen besseren Blick für Optimierungen gehabt.
In unserem Alltag nehmen wir uns aber ungerne die Zeit dafür, obwohl es nicht nur Zeit sparen würde, sondern auch mehr Umsatz bringt, Kunden und Mitarbeiter glücklicher macht und mir als Makler mehr Zeit für Dinge gibt, die ich auch wirklich machen möchte. 
Ein, meiner Meinung, wichtiger Hinweis an der Stelle: Prozesse und Automatisierung ist Chefsache – du musst nicht alles selbst machen und können, aber verstehen und mitentwickeln. 

Praxis & Grenzen

Ehrliche Einschätzung, kein Hochglanz.

7. Solche Systeme zu bauen kostet Zeit und Nerven. Was hat nicht funktioniert — welcher Workflow ist in die Tonne geflogen?

Antwort: Haa, alle haben erstmal nicht funktioniert. Die ersten 10-15 Automatisierungen haben mich in den Wahnsinn getrieben. Ständig Fehlermeldungen, falsche Zuordnungen stundenlange Fehlersuche.
Irgendwann hat man den dreh raus, wie einzelne Workflows auszusehen haben, dann klappt es auch in einem Rutsch. 
Mal ein transparentes Beispiel, was nach einem exorbitanten Aufwand in die Tonne gewander ist:
Für unser Leadprogramm haben wir verschiedenste Google-Sheets angelegt, mit einem „Master-Controlling-Sheet“, dass über Make synchronisiert und ausgewertet wurde.
Katstrophe… ständig wurde eine Formel in Sheets rausgelöscht, Zeilen wurden überschrieben, Auswertungen waren durcheinander. Der Papierkorb Button tat weh, war aber notwendig. 

8. Braucht man für das, was du machst, einen technischen Hintergrund — oder können das auch Makler ohne IT-Affinität lernen?

Antwort: Ich habe noch nie, nur Ansatzweise, irgendeine Form der Programmierung gelernt. Es gab für mich auch keine KI- oder Automatisierungskurse. Alles, was wir bei uns entwickeln, haben wir uns selbst angeeignet und nach dem Prinzip „try and error“ ausprobiert. 
Die Lernkurve ist steil und vor allem mit KI ist vieles leichter.
Mir wird ganz häufig die Frage gestellt „was kann man denn so alles mit KI, Make und der Ameise bauen?“. Meine Antwort darauf ist immer dieselbe „denk dir was aus und es wird vermutlich klappen“. 

Ausblick & Appell

Für die Leser: Was nehme ich mit?

9. Was würdest du einem Maklerkollegen raten, der jetzt mit Automatisierung anfangen will — wo startet man, ohne sich zu verrennen?

Antwort: Starten ist erstmal das wichtigste. Während du wartest, ziehen 10 Kollegen vorbei und optimieren ihr Maklerunternehmen. 
Ich bin ein Freund von „mach es einfach“. Nimm dir einen aktuellen Prozess aus deinem Alltag der dich nervt, skizziere ihn mit jedem einzelschritt und überleg dir, wo überall ein Mensch eingreift und warum.
Sammel deine Überlegungen, Skizzen und Ideen und gebe sie einer KI. Frag sie einfach stumpf, wie sie das ganze automatisieren würde, damit es möglichst effizient und fehlerfrei funktioniert. 
Du wirst stauen, welche Antworten du erhältst. 
 
Denk nur daran, alles zu dokumentieren und ein paar Sätze zu deinem Prozess loszuwerden. Wir führen mittlerweile Prozessbücher, weil sonst keiner mehr wissen würde, was ich alles an Automatisierungen baue. 

10. Wo siehst du Versuro und deinen Ansatz in drei Jahren — und wo stößt du heute noch an Grenzen, die die Branche lösen müsste?

 
Antwort: In drei Jahren wird Versuro einer der digitalisten und effizientesten Makler Gemeinschaften des deutschen Marktes sein. Nicht, weil wir die schlausten sind, sondern weil wir noch immer selbst Makler sind und täglich denselben Kampf kämpfen, wie unsere Kollegen.
Dies werden wir an jeden unserer Makler weitergeben und jeder der Lust hat, kann es in seinem ermessen nutzen. 
Dabei werden wir aber nie das wichtigste vergessen: Jeder Maklerkollege ist ein Mensch, ein gleichgesinnter, dem wir auf Augenhöhe begegnen und mit unserer Gemeinschaft einen Mehrwert geben möchten. 
 
Grenzen sehe ich einige:
 
  • Zeit in zweierlei Hinsicht: Meine Zeit, die nicht ausreichend vorhanden ist, um alle Projekte gleichzeitig voranzutreiben und. die Zeit der Versicherer. Versicherer hängen unglaublich hinterher. Ich kann nachvollziehen, dass Versicherer gigantische Schiffe sind, die nicht schnell handeln können, aber gefühlt sind es Berge geworden, die sich noch kaum bewegen. 
  • Oben schon angekratzt – Versicherer: GDV und BiPro – Bipro ist 20 Jahre alt. Ein „Standard“ der Branche. Bis heute gibt es zahlreiche Versicherer, die diesen Standard noch immer nicht können oder nur mit einem halben Arsch. Nach 20 Jahren.
    GDV lass ich an der Stelle mal sein was es ist…

  • Nochmal Versicherer: Fragst du einen Versicherer nach einer API Schnittstelle, schauen dich 8 von 10 mit großen Augen an und verstehen dich nicht. 
  • Datenschutz, Compliance, EU AI Act: Ja, Datenschutz ist wichtig. Ja, auch ich mache mir Gedanken, wie ich unsere Prozesse sicher gestalte und kein Dritter darauf zugreifen kann.
    Aber wir werden durch den Haufen an Regulierungen so hart beschnitten und müssen überproportional vorsichtig sein, dass es Wachstum in der Digitalisierung hart bremst. 
Tags: AIJohann GräbnerKI
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Ludwig Meierin

Ludwig Meierin

Ludwig Meierin ist Gründer von mklr.io – dem Online-Magazin für Versicherungsvermittler, die Digitalisierung und Praxiserfahrung vereinen wollen. Als ehemaliger Versicherungsmakler mit tiefem Einblick in die Branche unterstützt er heute Beraterinnen und Berater dabei, moderne Prozesse, digitale Tools und praxisnahe Lösungen erfolgreich in ihren Alltag zu integrieren – mit dem Ziel, ihr Geschäftsmodell zukunftssicher, effizient und wachstumsstark aufzustellen.

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